27.10.2026
Isabell Huber MdL: „Wir müssen unsere landwirtschaftlichen Betriebe widerstandsfähiger machen – vom Boden bis zur Futterversorgung“
Die Erntebilanz 2026 zeigt die erheblichen Folgen der anhaltenden Hitze und Trockenheit für die Landwirtschaft in Baden-Württemberg: Die Hektarerträge beim Getreide ohne Körnermais liegen zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert, beim Silomais sogar 32 Prozent. Auch das Grünland ist stark betroffen: Die Futterausfälle werden landesweit auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Damit gerät neben der Ernte auch die Grundfutterversorgung tierhaltender Betriebe unter Druck. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf einen Antrag von Isabell Huber MdL, Vorsitzende des Arbeitskreises Ländlicher Raum, Landwirtschaft und Heimat der CDU-Landtagsfraktion, und weiteren Abgeordneten hervor.
„Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Trockenheit längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr ist. Sie trifft die Betriebe unmittelbar in ihrer Existenz – bei den Erträgen auf dem Acker ebenso wie bei der Futtergrundlage für ihre Tiere. Wenn Grünland weniger Futter liefert und gleichzeitig die Silomaisernte deutlich schlechter ausfällt, müssen Betriebe auf ihre Vorräte zurückgreifen oder Futter zukaufen. Das verursacht zusätzlich hohe Kosten und verschärft die wirtschaftliche Belastung“, erklärt Huber.
Grünland und Futterversorgung stärker in den Blick nehmen
Besonders kritisch ist die Entwicklung für tierhaltende Betriebe. Die erheblichen Futterausfälle auf dem Grünland und der Rückgang beim Silomais wirken sich unmittelbar auf die Versorgung mit Grundfutter aus. Nach Angaben der Landesregierung greifen einige Betriebe bereits auf Winterfuttervorräte zurück. Gleichzeitig sind Zukauffutter und dessen Transport mit zusätzlichen enormen Kosten verbunden.
Das Land stellt deshalb bis zu fünf Millionen Euro für dürrebedingte Grundfutterzukäufe einschließlich Transportkosten bereit. Voraussetzung ist ein Verlust von mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung. „Diese Unterstützung kann betroffenen Betrieben in einer akuten Notlage helfen. Entscheidend ist, dass diese Hilfen schnell ankommen und wir die Widerstandsfähigkeit der Futterproduktion langfristig verbessern.“, so Huber.
Wasser im Boden halten und Anbausysteme anpassen
Auch die übrige Erntebilanz verdeutlichen die Brisanz der Trockenheit. Bei Kartoffeln sind in nicht bewässerten Beständen Ertragsausfälle von 20 bis 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Bei den Zuckerrüben sind es wahrscheinlich 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag. Und im Weinbau liegen die Schätzungen der Erntemenge in Württemberg rund 30 Prozent unter dem Vorjahr, in Baden etwa 15 Prozent darunter. Im Bereich des Obstanbaus hingegen zeigt sich ein heterogenes Bild: die Äpfel habe deutlich unter Hitze und Trockenheit gelitten, während Birnen, Kirschen, Zwetschgen/Pflaumen und Erdbeeren überwiegend gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen konnten.
Für Huber folgt daraus ein klarer Auftrag: „Wasser wird zum entscheidenden Faktor in der Landwirtschaft. Wir müssen Wasser stärker in der Fläche halten und unsere Böden widerstandsfähiger machen. Humusaufbau, eine bessere Wasserspeicherung, geeignete Zwischenfrüchte und vielfältigere Fruchtfolgen können dazu beitragen, die Folgen von Trockenheit abzumildern. Wo Bewässerung ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll möglich ist, müssen effiziente Lösungen gefunden werden. Die Anhörung zum Wasser am 26. November ist deshalb ein weiterer wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft.“
Dabei gebe es keinen „Masterplan“, der überall gleichermaßen wirke. Entscheidend seien die jeweiligen Standortbedingungen, die Bodenbeschaffenheit und die Kulturarten.
Forschung und Beratung müssen auf den Betrieben ankommen
Anpassungsbedarf besteht unter anderem bei Sortenwahl, Anbaumethoden und der Weiterentwicklung von Anbausystemen. Für Huber ist wichtig, dass daraus konkrete Unterstützung für die landwirtschaftlichen Betriebe entsteht: „Unsere Forschungseinrichtungen und die Versuchswesen im Land leisten einen wichtigen Beitrag. Wir müssen die Erkenntnisse zu trockenheits- und hitzetoleranten Sorten, passenden Anbauverfahren und veränderten Bewirtschaftungsmethoden und -zeitpunkten konsequent weiterentwickeln und in die Beratung tragen. Die Betriebe brauchen praxistaugliche Lösungen, die unter den jeweiligen regionalen Bedingungen funktionieren.“
Zugleich müsse die Landwirtschaft ausreichend Spielraum haben, auf veränderte Witterungsbedingungen zu reagieren. Starre Vorgaben und Fristen sollten dort überprüft werden, wo sie einer fachlich sinnvollen Anpassung entgegenstehen.
Landwirtschaftliche Erzeugung und ländliche Räume sichern
„Eine widerstandsfähige Landwirtschaft ist entscheidend für Ernährungssouveränität, die Pflege unserer Kulturlandschaft und die Zukunft der ländlichen Räume. Die Erntebilanz 2026 ist deshalb mehr als eine Bestandsaufnahme. Wir müssen aus den Erfahrungen dieses Jahres die richtigen Schlüsse ziehen – für gesunde Böden, einen besseren Umgang mit Wasser, eine verlässliche Futterversorgung und eine Forschung, die den Betrieben mit den veränderten Rahmenbedingungen hilft“, betont Huber.
